„Als ich lernte, wieder handschriftlich zu schreiben,
lernte ich zuerst
meine Handschrift anzunehmen –
und dann mich selbst.“

Dieser Satz rutschte mir raus zu einem Post bei Facebook – einer der Gründe,
warum ich FB auch sehr liebe: Es fordert mitunter zu Spontanität, die vieles klarmacht.

Also: Ich hass(t)e meine Handschrift!

Als Jugendliche versuchte ich cool zu sein, mein Umfeld schrieb in Druckbuchstaben,
bei mir klappte das nicht so wirklich. Ich fand es auch unpersönlich, und so blieb ich gefühlt
halb stecken – in etwas, das nicht zu mir passte, was sich aber nicht zurückändern ließ.

Das Schreiben- es ist meine große Sehnsucht, eine gut versteckte Leidenschaft…Puh, jetzt ist es raus.

Meine Coach regte mich vor einigen Monaten an, meinen perfekten Tag aufzuschreiben.
Darin kamen Schreiben und Komponieren, der Garten und gemeinsames Essen mit meiner
Familie vor. Der Unterricht, die Musikschule und das Orgelcoaching nicht, was mich betroffen
machte, denn: Das liebe ich auch alles!!!

Aber meine Sehnsucht ist die zurück in die Jahre 2005 bis 2009 als ich neben der Familie Zeit
hatte zum Schreiben (der Biene-Beatrix-Geschichten) und zum Komponieren-
und eine gewisse Muße darin, weil der Druck zu verdienen damit, noch nicht so groß war –
und meine Kreativität sprudelte.

Zurück zur Handschrift: Das war etwas, das ich schnell hinter mich brachte-
und damit war es noch unleserlicher. Allein das Thema Einkaufszettel- meine Familie
meint(e) nur (trotz meiner vermeintlichen Sonntagsschrift): Das kann man nicht lesen!!!

Ich war genervt!!!

So um 2013/2014 kam ich mit Julia Camerons „Der Weg des Künstlers“ in Kontakt,
ich versuchte die Morgenseiten, handschriftlich – no way. Also als Word-Dokument,
ich ließ es enttäuscht – und wusste nicht recht warum – heute weiß ich es:
Es muss handschriftlich sein, da hat sie einfach recht.

Der Wendepunkt kam im Oktober 2016 mit dem Kongress „Mein bestes Jahr“ von
Susanne Pillokat-Tangen und Nicole Frenken. Irgendwie kam ich darüber zum Videos gucken
über Bullet Journaling.  Ich muss dazusagen, dass ich eine große Affinität zu Buch- und Schreibwarenläden habe, so wie andere Frau zu Schuhläden…
Ich hatte noch ein schönes Notizbuch (von meiner Tochter geschenkt bekommen)-
und fing einfach an. Das war eine gute Entscheidung, denn kurz danach wurde mein Sohn
sehr krank und ohne das BuJo, das ich wirklich nur für ToDos usw. nutze, hätte ich es wohl
nicht (so) überstanden. BuJo war meine Zeit, da stand die Hektik still – und tat mir so gut,
dass ich, als es voll war, zu einem Leuchtturm wechselte.

Und mich ziemlich schnell entschloss, dass es ein Buch für ALLES sein sollte:
Für das Übliche, Plus meine Mindmaps, meine Blutzuckerwerte, Gartenpläne,
Strategieüberlegungen, in Kladde, ins Reine –
oder was auch immer zu meinem bunten Leben gehört!!!

Und ich fing das Journaling an, entsetzt über meine Schrift, aber der Druck war so groß.
Und still und leise gab es eine Transformation: Ich nahm es an, dass meine Schrift aufgeregt
war, und wie sie war- wie mein Leben eben auch. Oft schreibe ich ja auf den langen Straßenbahn-
fahrten von und nach Sarstedt, da ruckelt es auch – so what! Ich kann die Zeit kaum besser
verbringen, es sei denn mit netten Gesprächen…

Ich lernte in dieser meiner Zeit mich zu sehen mit meinen Schmerzen, meiner Traurigkeit
und meinem Lebenswillen… Ja, ich fing sogar ganz ultrasachte an, mal etwas zu ‚malen‘:
Kleinigkeiten, Piktogramme und mich, die Frau mit den Locken und dem großen Herz.
Denn meine Coach riet mir zu einigen selbstannehmenden Übungen und veränderte meinen Glaubenssatz mit einem entscheidenden Wort in „Ich kann noch nicht malen!“.
Und irgendwann fiel mir auf, dass meine Handschrift in dem Maße harmonischer wurde,
wie ich es mit mir wurde. Und jetzt greife ich gern zum Stift ♥, mitunter kann ich es kaum
erwarten, mich mit mir zu treffen…

Birgit Desch

Danke an Friederike Kunath von Schreibstimme für die Anregung!
Und Danke an Paul Henkel von Schreiben wirkt, der mich in diesem Prozess auch sehr inspiriert hat!

Wer meine Bullet Journals ein wenig sehen möchte, kann das hier tun.

Handschrift annehmen – mich selbst annehmen

Ein Gedanke zu „Handschrift annehmen – mich selbst annehmen

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